Nachhaltigkeit, ein schillernder Begriff und zugleich ein wichtiger.
Mit sozialen, ökologischen und ökonomischen Ressourcen so umgehen, dass auch kommende Generationen leben können, wie wir das jetzt für uns beanspruchen. Das bedeutet nachhaltig haushalten.
Nicht von der Substanz leben, sondern nur vom Ertrag. So lässt sich kurz gefasst ausdrücken, was Nachhaltigkeit meint. Ökologische, wirtschaftliche und soziale Ressourcen nur in dem Maße nutzen, wie sie nachwachsen bzw. wieder beschafft werden können. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft: Ein achtsamer Förster holt nur so viel Holz aus dem Wald, wie nachwachsen kann, da er sonst bald keinen Wald mehr hat.
Die Definition der Brundtland-Kommission dazu lautet:
„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die eigenen Bedürfnisse befriedigt, ohne die Möglichkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie enthält zwei Schlüsselkonzepte:
Auf den folgenden Seiten wird Nachhaltigkeit mit ihren verschiedenen Facetten beschrieben. Verbunden mit dem Wunsch, dass der neue Nachhaltigkeitsbeirat in Moers uns Bürgerinnen und Bürger in Moers anregen kann, achtsam in Moers für Moers, unsere Gesellschaft und kommende Generationen zu leben. Ich freue mich darin mitzuarbeiten und werde das mir Mögliche dort einbringen.
Machen Sie doch mit: Für sich selbst. Für Moers. Für unsere Zukunft.
Dimensionen der Nachhaltigkeit
Bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wurde „Nachhaltigkeit“ in der so genannten „Agenda 21“ in ein „Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert“ gegossen.[1] Als Eckpfeiler des Programms lassen sich ausmachen:
· Die „Agenda 21“ konkretisiert das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung in verschiedenen Politik- und Handlungsfeldern und listet eine Vielzahl von Maßnahmen auf.
Insbesondere der erste Aspekt, die gleichrangige Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren, eröffnet Interpretationsspielräume. Auch wenn die ökosystemischen Grenzen nie exakt festlegbar sind, so lässt sich hinsichtlich ökologischer Nachhaltigkeit zumindest Konsens darüber erzielen, dass erneuerbare Ressourcen nicht über ihre Regenerationsrate hinaus verbraucht werden dürfen, dass für nicht erneuerbare Ressourcen frühzeitig gleichwertige Substitute zu finden sind und dass schließlich die Umweltmedien (Böden, Luft, Wasser) nur im Rahmen ihrer Regenerationskapazität mit Emissionen (Abfällen) belastet werden dürfen. Stichwort: „Senkenfunktion“ der Erde. Gestritten wird lediglich darüber, ob der (abnehmende) Stock des Naturkapitals zumindest teilweise durch (zunehmendes) künstliches Kapital wie geschaffene Infrastrukturen ersetzt werden darf. Während die VertreterInnen einer schwachen Nachhaltigkeit dies befürworten, lehnen die VertreterInnen einer starken Nachhaltigkeit diese Gegenrechnung ab. Naturkapital lasse sich nicht durch künstliches Kapital ersetzen, so ihre Überzeugung.
Hinsichtlich sozialer Nachhaltigkeit lässt sich zumindest vom Anspruch her ein Minimalkonsens dahingehend feststellen, dass es allen ErdenbürgerInnen möglich sein müsse, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, was bereits in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen festgelegt und in zahlreichen nachfolgenden Proklamationen (zuletzt den UN-Millenniums-Zielen) bekräftigt wurde. Darüber hinaus gehende Ziele über eine nachhaltige Verteilungs- und Chancengerechtigkeit sind wiederum interpretationsoffen und von unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen abhängig. Soziale Nachhaltigkeit meint somit auch die Gestaltung von Einkommen, die ein Auskommen ermöglichen, Arbeit die nicht nur nährt, sondern auch als sinnvoll erlebt wird, sowie ein Zusammenleben, das von lebendigen Beziehungsnetzwerken getragen wird und sich als Antipode zur sich breitmachenden Fun- und Singelgesellschaft verstanden werden kann.
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit würde demnach die Wahl von Wirtschaftsweisen bezeichnen, die die Ziele sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit erreichen lassen. Denn: Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern auf Ziele außerhalb seiner selbst gerichtet. Ein Wirtschaftssystem gilt also dann als nachhaltig, wenn es in der Lage ist, die (materiellen) Grundbedürfnisse aller Menschen zu stillen ohne die Grenzen des globalen Ökosystems zu überschreiten und wenn es ein als sinnvoll erfahrenes Leben unterstützt. (HH)